Jürgen Bartenschlager

Fotografie zum Thema ANTHROPOZÄN

Unter dem Namen Anthropozän wird die Benennung einer neuen geochronologischen irdischen Epoche geschaffen: Sie soll den Zeitabschnitt umfassen, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist - Anthropozän.

 

Artensterben

Nach der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN, dt. Internationale Naturschutzorganisation) galten 2007 rund 12 % der Arten der Vögel, 20 % der Säugetiere, 29 % der Amphibien und 33 % der Nacktsamer unter den Pflanzen als bedroht. Der „Living Planet Index“ des WWF konstatierte im Mai 2008, dass die Artenvielfalt auf der Erde zwischen 1970 und 2005 um 27 Prozent gesunken ist. Besonders betroffen waren diesen Erhebungen zufolge Land- und Süßwasserbewohner im asiatisch-pazifischen Raum. Laut WWF sind derzeit rund 34.000 Arten vom Aussterben bedroht.

 

Die Bestände der in den Agrarlandschaften Europas heimischen Brutvogelarten haben zwischen 1980 und 2009, also in dreißig Jahren, um nahezu 50 % abgenommen.

 

Vielfach wird das derzeitige Artensterben mit den großen Massenaussterben der Vergangenheit verglichen. Paläontologen unterscheiden traditionell während der vergangenen 600 Millionen Jahren fünf (teilweise auch mehr) große Artensterben, die nach neueren Erkenntnissen allerdings einerseits häufig über längere Zeit (zum Teil bis Millionen von Jahren) andauerten und die andererseits auch von weiteren Phasen kleinerer Artensterben vorher und nachher begleitet waren und gleichsam nur die auffälligsten Auslenkungen der stets schwankenden Artenzahlen darstellen. Der bedeutsamste Unterschied früherer Massensterben zur derzeitigen Situation ist, dass das Artensterben durch eine einzige biologische Art - nämlich den Menschen mit seinen Aktivitäten und seinem Raum- und Ressourcenanspruch - verursacht wird, wohingegen frühere Ursachen wohl in der Regel geologische oder atmosphärisch-kosmische Ursachen hatten. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) geht dabei davon aus, dass die aktuelle Aussterberate 1000- bis 10.000-fach über der „normalen“ Hintergrundaussterberate liegt.

 

Durch menschliche Aktivitäten (Handel, Warentransporte, Tourismus, Verkehr) werden eine Vielzahl von Arten auf andere Kontinente sowie in Lebensräume verschleppt, die ursprünglich und eigentlich nicht die ihrigen sind und gleichzeitig aus der Heimat vertrieben.

 

Fotografische Umsetzung

Fotografisch soll nicht mit erhobenem Zeigefinger agiert werden, vielmehr vordergründig die technische Umsetzung der Landschaftsveränderung durch den Menschen in einer stillen Schönheit dargestellt werden. Menschenleere Landschaftsräume mit einem passenden Farbstil versehen, sollen die hintergründige Zerstörung andeuten und zum Nachdenken anregen. Sie besitzen unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte, gehen aber stets vom Menschen und dem Einfluss auf seine Lebenswelt aus.

Ich thematisiere in Bildern die durch den Menschen herbeigeführten Transformationen der Landschaft wie z.B. im Ackerbau durch das Prinzip der Monokultur oder auch die industrielle Bebauung, die ebenfalls im Zusammenhang mit dem Anthropozän-Gedanken stehen. Auch formal lassen sich die Arbeiten verknüpfen, haben sie doch Format und Perspektive gemein. Die Bildausschnitte suggerieren zunächst Neutralität. Sie wirken wie zufällig gewählt und deuten eine unendliche Fortführung der Stadt oder Landschaft nach ähnlichen Mustern an.

Illerkanal, 180 x 120 cm

Discounter wecan, 180 x 120 cm

Piste Saligen raus, 180 x 120 cm

Waldweg Kilroy, 180 x 120 cm