Jürgen Bartenschlager

STREIFENBILDER - Gefrorene Geschwindigkeit

Der Fotograf Jürgen Bartenschlager stapelt Farbstreifen zu Landschaften

Von Cornelia Lütkemeier

 

Als würde man in einem schnellen Zug oder Auto sitzen und die Farben der Landschaft

an sich vorbeirauschen lassen, vorbeistreifen, im buchstäblichen Sinn, wirken die knapp zwei Meter breiten Bilder des Fotografen Jürgen Bartenschlager. Mit dem Unterwegssein kennt der Allgäuer sich aus: Für Werbeproduktionen reist er regelmäßig durch ganz Deutschland, viele Stunden verbringt er auf diese Weise am Steuer oder im ICE. Warum die flüchtig vorüberziehende Natur also nicht einmal zum Sujet machen: Die Farben, die sich aus der Bewegung heraus betrachtet von ihren Formen loszutanzen scheinen und zu bunten Linien verwischen.

Wie allerdings setzt man das um, wenn man seinen Kamera nicht gerade bei Tempo zweihundertfünfzig aus dem offenen Autofenster halten möchte? Jürgen Bartenschlager versuchte es 2011 zunächst mit Schwenks bei langer Belichtungszeit. Doch das Ergebnis war ihm nicht ebenmäßig genug, und Farben verblassten zum Bildrand hin deutlich.

Darum nimmt er seine Motive inzwischen statisch auf. Am Computer zerteilt er die Landschaften anschließend in horizontale Linien unterschiedlicher Breite, die er dehnt, dupliziert und übereinander lagert - bis die verschiedenen Bildschichten wie zarte Nebelschleier ineinander übergehen.

Seine Arbeit vergleicht er dabei mit der eines Malers: „Ich möchte das Gefühl, das ich im Moment der Aufnahme hatte, wieder ins Bild hineinbringen.“ Vor allem die Farbe spiele dabei eine zentrale Rolle: „Wenn mir Blumenfelder in Pink oder sattem Gelb aufgefallen sind, dann verstärke ich die Farben im Bild nachträglich, bis sie die Kraft entwickeln, wie ich sie empfunden habe.“

Die zentrale Bedeutung der Farbe für seine Streifenbilder habe mittlerweile seinen Blick auf Landschaften verändert, sagt er. Bei der Suche nach Motiven orientiere er sich viel weniger an Formen, weshalb er inzwischen auch die Schönheit vieler Gegenden schätze, die flach sind und ihm früher eher unspektakulär erschienen. Das Voralpenland etwa, mit seinen bunten Blumenwiesen und blauen Seen. Oder die Sommerlandschaft Schleswig Holsteins mit ihren ruhigen Grüntönen.

 

Am liebsten reist Jürgen Bartenschlager für seine Streifzüge jedoch zu ferneren Zielen. Zuletzt fotografierte er 2012 ein Gletscherfeld in Island. Zwei Jahre zuvor hatte der

Eyjafjallajökull seine Asche auf das Eis gespuckt, die Witterung hatte die Eruptionsspuren mittlerweile zu schwarzen Linien verdichtet, die wie Adern auf dem Gletscher lagen. Seinen Eindruck vom kalten Licht des Nordhimmels, von dem blau schimmernden Eis und den dunklen Streifen übersetzte er in ein zartblaues Bild.

Auch in Indien war Jürgen Bartenschlager bereits unterwegs. Ende Februar will er nach Nepal fliegen, um Aufnahmen rund um Kathmandu zu machen. Ein Bild sei wie ein Fenster zur Welt, formulierte im fünfzehnten Jahrhundert der Kunsttheoretiker, Maler und Architekt Leon Battista Alberti. Wahrscheinlich ist es nur folgerichtig, wenn es sich bei der mobilen Gesellschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts dabei um ein Flugzeugfenster handelt.

 

Ash of Eyjafjallajökull - Streifenbild
Island Eis - Streifenbild

ISLAND EIS | 180 cm x 90 cm

Preis auf Anfrage

ASH OF EYJAFJALLAJÖKULL | 180 cm x 90 cm

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Abend am Nil - Streifenbild
Allgäu - Streifenbild

ALLGÄU | 300 cm x 130 cm

Preis auf Anfrage

ABENDS AM NIL | 180 cm x 90 cm

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Müritz - Streifenbild

MÜRITZ | 180 cm x 90 cm

Preis auf Anfrage